ABIDA Gutachterfachtagung im BMBF

By 31. Oktober 2018Veranstaltungen
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Wie wirkt Big Data? ABIDA fragte die Experten.

Am 17. Und 18. Oktober fand in den Räumen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Gutachterfachtagung des Begleitforschungsprojekts „ABIDA – Assessening Big Data“ statt. Im Rahmen des Auftrags von ABIDA, gesellschaftliche Bedingungen und Auswirkungen der Big Data Entwicklung zu untersuchen, wurden zahlreiche externe Gutachten in Auftrag gegeben. Die Fachtagung sollte sowohl der Präsentation der Ergebnisse als auch dem Austausch der Experten aus unterschiedlichen Disziplinen dienen.

Die moderierte Veranstaltung wurde inhaltlich durch Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas (BMBF) eröffnet. Er hob hervor, dass die Einführung der DSGVO als Erfolg anzusehen ist, an den sich nicht nur Internetnutzer sondern auch Unternehmen außerhalb der EU anpassen würden. Als nächstes Arbeitsziel nannte er die Anpassung des Immaterialgüterrechts. Statt nach „Wem gehören die Daten?“ zu fragen, müsse „Wer darf die Daten nutzen?“ beantwortet werden – auf Basis einhaltbarer, überprüfbarer und mit Konsequenzen verknüpfte Regeln. Gegen Ende seiner Eröffnungsrede ermunterte Prof. Lukas besonders zur „Europäisierung“ der Netzwerke der Forscher sowie dazu, auf Grundlage der Forschungserkenntnisse auch Einfluss auf die neu gegründete Enquete-Kommission zu Künstlicher Intelligenz zu nehmen.

Die folgenden Kurzreferate fassten in aller Kürze die jeweiligen Projektergebnisse zusammen. Das Spektrum der Expertisen reichte dabei von Rechtsgutachten bis zu philosophischen Untersuchungen. Diskutierte wurden Themen wie beispielsweise Big Data im Mobilitätssektor, Plattformökonomie, Anonymisierung, People Analytics, Onlinemedien, Gesundheitsbereich, ethische Standards für Big Data oder Nudging.

Im Verlauf der Podiumsdiskussion des zweiten Veranstaltungstages wurde deutlich, wie weit wir sowohl in der Fachwelt als auch in der Gesellschaft davon entfernt sind, Big Data als Phänomen und Prozess zu verstehen. Eine voreilige feste Definition eines unverstandenen Prozesses schaffe nicht mehr Klarheit, sondern verhindere, dass dieser weiterhin richtig hinterfragt wird. Zudem unterschieden sich die Vorgänge in verschiedenen Anwendungsbereichen. Einig wurden sich die Experten darüber, dass Big Data nicht nur ein Hype ist, der wieder verschwinden wird. Das massenhafte Datensammeln habe es schon länger gegeben – in der Vergangenheit allerdings unter staatlichem Monopol. Nun erzeuge lediglich der quantitative Sprung durch neue technische Möglichkeiten enorme Aufmerksamkeit. Bemängelt wurde, dass die Bundesregierung nicht schnell genug genügend öffentliche Daten zur Verfügung stelle. Grundsätzlich wurde sowohl eine Erwartungshaltung dem Staat gegenüber als auch die Notwendigkeit zu weiterer Forschung deutlich. Grundsätzlich fehle es noch an Standards, Sicherheit und Garantien – zum einen, um dem Mittelstand die Adaption von Smart-Data-Lösungen zu erleichtern und zum anderen, um die Datenbestände durch höhere Bereitschaft zum Datenteilen zu erhöhen.

Der eigentliche interdisziplinäre Ideenaustausch entwickelte sich in den kurzen Debatten im Anschluss an die einzelnen Referate:

  • „Können die Netzwerke der Forschungsdatenzenten die Infrastruktur für ein Datentreuhändersystem bilden?“
  • „Sind Videos und Visualisierungstechniken eine geeignete Alternative zu langen, unverständlichen Datenschutzerklärungen und brauchen wir ein Gütesiegel für eine vorbildliche Umsetzung der DSGVO?“
  • „Müssen marktmächtige Akteure zusätzliche Datenschutzverpflichtungen oder aber kleine Unternehmen Entlastungen erhalten?“
  • „Sind auch KI-gestützter Wissenschaftsjournalismus oder kritische Berichterstattung möglich?“
  • „Ist es überhaupt möglich, kein Nudging zu betreiben?“
  • „Können durch überwachtes maschinelles Lernen nachvollziehbare, ethisch vertretbare Entscheidungsprozesse, insbesondere bei Personalentscheidungen, entstehen?“

Sich in solchen Fragen abzeichnende Kontroversen zeigen zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte für Diskussionen sowie Forschungsbedarfe an. Damit bot die Abida-Gutachterfachtagung auch eine seltene Gelegenheit für Fachleute unterschiedlicher Disziplinen sich, wenn auch nur kurz, offen zum Thema „Big Data“ auszutauschen.

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