Europäische Landschaft

Eine effektive Zusammenarbeit zwischen europäischen Interessengruppen ist unerlässlich, insbesondere in den dynamischen Bereichen Big Data und Künstliche Intelligenz (KI). Im Rahmen seines internationalen Auftrags fördert das Smart Data Forum die Zusammenarbeit und Partnerschaften von europäischen Innovationsprogrammen und -initiativen. Aus diesem Grund organisieren wir bilaterale Veranstaltungen mit europäischen Partnern und tragen zum europäischen Netzwerk der Big Data Centers of Excellence bei. Darüber hinaus bieten wir relevante Informationen zu wichtigen europäischen Initiativen, um interessierten Leserinnen und Lesern einen Überblick über die europäische Big Data- und KI-Landschaft zu geben.

Big Data und künstliche Intelligenz auf Europäischer Ebene

Die europäischen Institutionen sind wichtige Akteure bei der Entwicklung und Förderung von Big Data und KI-Technologien. Auf strategischer Ebene wurde 2014 eine EU-Mitteilung für eine florierende datengesteuerte Wirtschaft veröffentlicht und Ende 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen koordinierten Plan für Künstlichen Intelligenz. Die Europäische Kommission arbeitet intensiv an der Umsetzung der Strategie, die unter anderem verschiedene Investitions- und Finanzierungsmöglichkeiten bietet. In der Vorbereitungsphase der Strategie Anfang 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen detaillierten Überblick über die europäische KI-Landschaft sowie über 20 individuelle Länder. Die kontinuierliche Überwachung der europäischen KI-Landschaft wurde dann an den neu gegründeten Wissensdienst AI Watch ausgelagert. Außerdem wurden Expertengruppen eingerichtet, die die Arbeit der Europäischen Kommission unterstützen sollen.

Zum einen gibt es die High-Level Expert Group on Artificial Intelligence, die aus 52 Expertinnen und Experten zusammengesetzt ist und die Umsetzung der europäischen KI-Strategie unterstützen soll. Die Expertengruppe fungiert außerdem als Steuerungsgruppe für die European AI Alliance, die eine breite Beteiligung an dem politischen Diskussions- und Entscheidungsprozess fördern soll. In einem ersten Schritt hat die Expertengruppe Ethikleitlinien vorgeschlagen, die der Europäischen Kommission nach einer offenen Konsultation im März 2019 vorgelegt werden. Die Expertengruppe wird auch Politikempfehlungen zu Investitionen und dem regulatorischen Rahmen vorschlagen.

In ihrem koordinierten Plan für Künstliche Intelligenz schreibt die Europäische Kommission, dass sie die Einrichtung einer Leaders‘ Group on AI anstrebt. Sie wird relevante Akteure aus Industrie und Forschungseinrichtungen auf Ebene der Geschäftsführung versammeln, um eine Agenda für eine neue Partnerschaft beim Thema KI zu entwickeln und Engagement auf höchster Ebene sicherzustellen. Das erste Treffen ist für Anfang 2019 geplant.

Die Europäische Kommission sowie europäische Mitgliedsstaaten sind außerdem Teil von internationalen Arbeitsgruppen, wie z.B. der OECD-Initiative zur KI. Im Jahr 2018 richtete die OECD eine Expertengruppe AI in Society ein und wird 2019 ein Policy Observatory einrichten.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Initiativen, Plattformen und Netzwerke auf europäischer Ebene, von denen wir einige im Folgenden vorstellen:

Finanzierungsmöglichkeiten auf Europäischer Ebene

Horizon 2020 ist das größte Forschungs- und Innovationsprogramm auf europäischer Ebene und stellt zwischen 2014 und 2020 insgesamt fast 80 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Europäische Kommission erhöht die Investitionen in Künstliche Intelligenz im Rahmen des Programms Horizon 2020 auf 1,5 Milliarden Euro im Zeitraum 2018 bis 2020. Das ist eine Steigerung von 70 Prozent gegenüber dem Förderzeitraum 2014 bis 2017.

Im Rahmen des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens mit einer Laufzeit von 2021 bis 2027 hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, jährlich mindestens eine Milliarde Euro aus dem Horizont 2020-Nachfolger Horizon Europe für Programme mit Bezug zu KI bereitzustellen. Das Digital Europe Programm, das Teil von Horizon Europe ist, zielt darauf ab, einen Gesamtbetrag von 2,5 Milliarden Euro zu investieren, um die Nutzung von KI-Technologien in der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern. Der Haushaltsplan baut auf dem koordinierten Plan für Künstliche Intelligenz auf und finanziert unter anderem digitale Innovationszentren in ganz Europa und die KI-On-Demand-Plattform AI4EU.

Die Europäische Kommission beabsichtigt auch, Mittel für Start-ups in der Frühphase sowie für Unternehmen in der Wachstumsphase bereitzustellen. Die wichtigsten Instrumente für dieses Ziel sind derzeit Horizon 2020, der Europäische Fonds für strategische Investitionen und der Europäische Investitionsfonds.

Der Europäische Innovation Council (EIC) wurde im Rahmen von Horizont 2020 gegründet, um Spitzentechnologien und innovative Start-ups zu unterstützen. Allein im Jahr 2018 wurden 74 innovative Projekte von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Start-ups zur Entwicklung von KI-bezogenen Innovationen gefördert. Anfang 2019 wird eine neue Pilotinitiative gestartet, um die nächste Generation menschenzentrierter KI-Technologien zu unterstützen. Insgesamt wird das EIC-Pilotprojekt zwischen 2018 und 2020 2,7 Milliarden Euro für bahnbrechende Innovationen bereitstellen.

Der European Data Incubator ist ein Programm speziell für Big Data Start-ups und KMU in Europa. Es wird ebenfalls von Horizon 2020 finanziert und bietet Mentorenprogramme durch Experten, Workshops sowie Datathons in Zukunftsmärkten. Unternehmen können durch den Incubator Eigenkapital von bis zu 100.000 Euro erhalten, kostenlose Cloud-Umgebungen nutzen und Verbindungen zu großen europäischen Unternehmen knüpfen.

Für den Zeitraum 2021 bis 2027 werden Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz auch durch den InvestEU-Fonds unterstützt, der öffentliche und private Investitionen durch eine Garantie durch den EU-Haushalt mobilisieren will.

Europäische Netzwerke

Im Rahmen der europäischen Aktivitäten des Smart Data Forums haben wir 2016 das Europäische Netzwerk der Big Data Centers of Excellence mit initiiert. Es ist ein Netzwerk, das mehr als 55 Forschungseinrichtungen in 17 europäischen Ländern verbindet, um an allen Aspekten von Big Data zu arbeiten. Es bietet außerdem eine Übersichtskarte der Akteure und ihrer Forschungskompetenzen in dem Feld. Übergeordnetes Ziel ist es, Forschungsthemen in relevante Industrien zu übertragen. Das Netzwerk arbeitet daran, den Austausch zu intensivieren, Best Practices auszutauschen, eine Open-Source-freundliche Umgebung zu schaffen, Synergien zu identifizieren und Match-Making und Internationalisierung zu fördern.

Netzwerk europäischer KI-Spitzenforschungs-zentren

Wie im koordinierten Plan zur Künstlichen Intelligenz dargelegt, arbeitet die Europäische Kommission an einer engeren Vernetzung der europäischen KI-Spitzenforschungszentren, um die Zusammenarbeit zwischen den besten Forschungsteams in Europa zu fördern. 2019 werden die Mitgliedstaaten die nationalen KI-Spitzenforschungszentren sowie ihre Kompetenzbereiche erfassen und deren EU-weite Zusammenarbeit und Vernetzung durch nationale Programme fördern. Die Europäische Kommission plant im Jahr 2020 Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro aus dem Programm Horizon 2020 für Netze von KI-Spitzenforschungszentren bereitzustellen. Dadurch soll die Verbundforschung mit einer gemeinsamen Forschungsagenda unterstützt werden, die sich insbesondere mit der Bewältigung industrieller und wissenschaftlicher Herausforderungen befasst.

Netzwerk digitaler Innovationszentren

Neben der Vernetzung der europäischen KI-Spitzenforschungszentren und der Einrichtung weltweit anerkannter Testeinrichtungen sind die Digitalen Innovationszentren (Digital Innovation Hubs – DIH) die dritte Kerninitiative der Europäischen Kommission, um Wissen aus dem Labor auf den Markt zu bringen. Sie sollen sicherstellen, dass jedes Unternehmen die Chancen der Digitalisierung ergreifen kann und dass die Übernahme von KI und die Weitergabe von Wissen und wissenschaftlichen Fortschritten in die Gesamtwirtschaft beschleunigt wird. Es gibt bereits mehr als 200 voll funktionsfähige Zentren in der gesamten EU, die in diesem Katalog von DIHs zu finden sind. Um ihre Bemühungen weiter zu verstärken, wird die Europäische Kommission 2019 und 2020 mehr als 100 Millionen Euro für digitale Innovationszentren in ausgewählten KI-relevanten Bereichen bereitstellen.  Nach 2020 soll die Finanzierung aus dem Programm „Digitales Europa“ insbesondere dazu beitragen, digitale Innovationszentren in allen Mitgliedstaaten zu fördern und somit eine breite geografische Streuung zu erreichen.

Europäische Initiativen
Big Data Value

Die Big Data Value Association (BDVA) ist eine industrie-geleitete gemeinnützige Organisation mit 200 Mitgliedern aus ganz Europa mit Sitz in Brüssel. BDVA spielt auf europäischer Ebene eine wichtige Rolle, da sie seit 2014 das private Pendant zur Europäischen Kommission bei der Umsetzung des Big Data Value Public-Private-Partnership Programm ist. Das Programm zielt darauf ab, ein Innovationsökosystem zu schaffen, das die Big-Data- und KI-gesteuerte digitale Transformation in Europa ermöglicht. Darüber hinaus versucht sie, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, um Europa als weltweiten Führer bei der Schaffung von Big Data Value zu positionieren. Zu diesem Zweck co-organisiert BDVA das jährlich stattfinde Big Data Value Forum. Datennutzer und -anbieter, wie z.B. große Industrieunternehmen, KMU und Forschungseinrichtungen, können Mitglied im BDVA werden. Die Europäische Kommission hat ihr Interesse bekundet, in Anlehnung an die Public-Private-Partnership mit BDVA im Bereich von Big Data auch ein Public-Privat-Partnership-Programm im Bereich KI aufzusetzen.

Datalandscape

European Data Market Study strebt an, die Europäische Datenökonomie zu bestimmen, zu erfassen und zu bemessen, um damit die Politik der Europäischen Kommission zu Datenwertschöpfungsketten zu unterstützen.Die Website bietet ein European Data Market Monitoring Tool sowie Daten über die EU-Datenlandschaft an. Darüber hinaus veröffentlicht sie regelmäßig Publikationen und Informationen über relevante Veranstaltungen. Das Projekt DataLandscape wird von der International Data Corporation und dem Lisbon Council for Economic Competitiveness and Social Renewal durchgeführt.

Die European Association for Artificial Intelligence wurde 1982 gegründet und ist ein wichtiges Netzwerk und Vertretungsorgan der europäischen KI-Forschungsgemeinschaft. Ziel on EurAI ist es, die Forschung und Anwendung von KI in Europa zu fördern. Der Verein veranstaltet alle zwei Jahre Konferenzen zu KI-bezogenen Themen, konzipiert Kurse und veröffentlicht eine Zeitschrift. EurAI hat u.a. mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet, um eine Bestandsaufnahme der KI-Landschaft in Europa vorzunehmen.

Das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) ist eine unabhängige Einrichtung der Europäischen Union, das 2008 gegründet wurde, um Innovation und Unternehmertum in ganz Europa zu fördern. Zwischen 2018 und 2020 wird die EU in Maßnahmen zur Unterstützung von EIT Digital sowie seines unionsweiten Netzes von Zentren investieren. In seinen Digital Knowledge and Innovation Communities führt EIT Hochschulen, Forschungslabore und Unternehmen für dynamische grenzüberschreitenden Partnerschaften zusammen.

AI Watch

Viele der aktuellen Debatten über KI basieren auf Meinungen, Hörensagen und Annahmen – nicht immer auf Fakten und Wissenschaft. Um einen qualitativ hochwertigen Beitrag zu leisten und die politischen Entscheidungsträger zu informieren, hat die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission einen Wissensdienst namens AI Watch eingerichtet. Er wird die europäische KI-Landschaft, seine Entwicklungen, neuen Anwendungsbereiche und Auswirkungen im Blick behalten. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen KI-Strategie.

Das interdisziplinäre, dreijährige Projekt HUMAINT ist Teil des Centre for Advanced Studies der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission. Es zielt darauf ab, die Auswirkungen von KI auf das menschliche Verhalten zu verstehen. Der Schwerpunkt liegt auf kognitiven und sozio-emotionalen Fähigkeiten und Entscheidungsfindung. Das Projekt organisiert eine Reihe von wissenschaftlichen Veranstaltungen und veröffentlicht Publikationen zu den Forschungsthemen.

CLAIRE steht für „Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence Research in Europe“ und wurde im Juni 2018 gegründet. Es ist eine Initiative der europäischen KI-Gemeinschaft, um Europäische Exzellenz in Forschung und Innovation im Bereich KI zu stärken. Mehr als 2500 KI-Experten haben bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet, und 25 europäische Länder haben sich verpflichtet, Forschung zu unterstützen und die Zusammenarbeit in diesem Bereich zu fördern. CLAIRE zielt darauf ab, ein paneuropäisches Netzwerk von Spitzenforschungszentren im Bereich von KI aufzubauen und einen CLAIRE Hub als neue zentrale Einrichtung zu etablieren, die die besten Köpfe Europas in Bereich von KI zusammenbringt. Die Arbeit hinter CLAIRE wird derzeit von den drei Initiatoren auf freiwilliger Basis mit Unterstützung ihrer Heimatinstitutionen (Universiteit Leiden, Oslo Metropolitan University, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) geleistet.

Europäische Plattformen

AI4EU ist ein Horizont 2020 Projekt, das im Januar 2019 begann und darauf abzielt, die gesamte europäische KI-Gemeinschaft zu mobilisieren und eine kollaborative europäische KI-Plattform zur Förderung des Wirtschaftswachstums zu schaffen. Es soll eine AI-on-Demand-Plattform sein. In dem Konsortium aus Forschung und Industrie sind 79 Mitglieder aus 21 Partnerländern beteiligt. Acht branchenorientierte KI-Pilotprojekte in den Bereichen Bürger, Robotik, Industrie, Gesundheitswesen, Medien, Landwirtschaft, IoT und Cybersicherheit zielen darauf ab, den Wert der AI-on-Demand-Plattform zu demonstrieren. Das Projekt wird von THALES, Frankreich geleitet und erhält zwischen 2018 und 2021 insgesamt 20 Millionen Euro.

Europäischer Datenraum

Im April 2018 legte die Europäische Kommission einen Plan zum Aufbau eines gemeinsamen europäischen Datenraums vor. Die Mitgliedstaaten werden aufgerufen, bestehende und geplante internationale Investitionen in Plattformen mit Maßnahmen auf der EU-Ebene zu verknüpfen, um den Ausbau und die Interoperabilität zu gewährleisten. Im Jahr 2019 wird die EU strategische und digitale industrielle Plattformen durch die Bündelung von Projekten in großen Maßstab mit einer Investition von 50 Millionen Euro aus dem Programm Horizon 2020 unterstützen. Über 2020 hinaus will die Europäische Kommission, dass gemeinsam mit dem Privatsektor bis zu einer Milliarden Euro in die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Datenraums investiert wird.

European AI Alliance

Die European AI Alliance ist ein Forum, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine breite und offene Diskussion über alle Aspekte der KI-Entwicklung und deren Auswirkungen zu schaffen. Mitglieder der European AI Alliance können über eine Plattform Beiträge und Feedback an die High-Level Expert Group on Artificial Intelligence übermitteln. Die auf der Plattform geführten Diskussionen sollen in die Politikgestaltung der Europäischen Kommission in diesem Bereich einfließen.

Ansprechpartnerin:
Dr. Azadeh Ghahghaie
DFKI GmbH

Telefon: +49 30 238 95-5017
E-Mail: azadehgh@dfki.de