Disruptionen im Gesundheitswesen: Deutsch-Kanadische Perspektiven auf KI

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Disruptionen im Gesundheitswesen: Deutsch-Kanadische Perspektiven auf KI

Die Konferenz „AI in Healthcare: A German-Canadian Perspective“ brachte am 28. März 2019 Expertinnen und Experten aus Kanada und Deutschland für eine Diskussion über den Einsatz von künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitssektor zusammen. Über 90 Personen nahmen an der Konferenz in der Kanadischen Botschaft in Berlin teil, die von der Deutsch-Kanadischen Industrie- und Handelskammer (CGCIC) mit Hilfe des Smart Data Forum organisiert wurde.

Ghislain Robichaud, Botschaftsrat für Wissenschaft und Technologie an der Kanadischen Botschaft, sprach von der großen Verbundenheit zwischen Kanada und Deutschland und ging in seinem Vortrag über die kanadische KI-Landschaft auf Möglichkeiten der Zusammenarbeit ein. Anschließend erläuterte Michelle Lau wie das Creative Destruction Lab Gründern im Technologiebereich hilft, ihre Geschäftsideen erfolgreich umzusetzen. Im Gesundheitsbereich berichtete sie von erfolgreichen Start-ups für klinische Fälle (z.B. oncoustics) und für operative Fortschritte (z.B. bridge7).

Ein wichtiger Diskussionspunkt auf der Konferenz war die Frage, wie man eine Gesundheitsdatenbank für eine effektive KI-Nutzung aufbauen kann. Eine der großen Herausforderungen sei dabei, dass es noch keine einheitlichen Standards und Protokolle für Datensätze gibt. Außerdem muss man stets zwischen der Qualität und der Quantität der genutzten Daten abwägen. Geschäftsführer des Forschungsinstituts GeWINO der AOK Nordost Prof. Dr. Thomas Zahn erklärte, dass in Deutschland aufgrund des öffentlichen Gesundheitssystems für über 70 Millionen Menschen ein ziemlich umfassender Datensatz bestehen würde, was für Studien sehr hilfreich wäre. Ganz anders ist das in Kanada, wo es Datensilos für die jeweiligen Provinzen gibt. Yannick Schmid, Business Intelligence Developer beim Startup Vivy, das eine patientenzentrierte elektronische Patientenakte entwickelt, erklärte, dass Vivy alle patientenbezogenen Daten verschlüsselt. Dadurch wären sie nicht in der Lage, ihre Algorithmen mit den Daten zu trainieren. Wichtiger sei es Vivy aber auch, die Patientinnen und Patienten zu befähigen, sich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern.

Ein zweites wichtiges Thema war die zunehmend bessere Mustererkennung durch KI-Systeme. Dietmar Frey, Projektleiter von PREDICTioN 2020, hob hervor, dass KI-Start-ups zeigen müssten, dass ihre Produkte bessere Ergebnisse und Vorteile für die Patienten bringen würden. Kiret Dhindsa sprach von der Relevanz, Vorurteile aus der realen Welt nicht in KI-Systeme zu übersetzen. Prof. Dr. Klemens Budde, Oberarzt an der Charité, schlug vor, KI als ein Werkzeug – wie ein Stethoskop – zu betrachten. Ärzte müssten lernen, wie sie gut damit umgehen und dann würde die verbesserte Diagnose große Vorteile bringen.

Zum Ende der Konferenz wurde diskutiert, welche Veränderungen durch den Einsatz von einfach handhabbaren Do-It-Yourself Diagnosetools kommen würden. Notwendige Voraussetzung für die sinnvolle Anwendung ist, dass die Gesundheitsversorgung nicht mehr in getrennten Silos, sondern als ein zusammenhängendes Ökosystem betrachtet wird. So ein Umdenken würde auch dazu beitragen, dass man sich mehr auf das Vorbeugung von Krankheiten konzentrieren könnte, anstatt bereits ausgebrochene Krankheiten zu heilen. Eduardo Peire, Gründer von AIScope, kam zu dem Schluss, dass für ihn KI der ideale Begleiter für gute Diagnosen wäre.