Deutsch-Schwedischer Austausch zu Künstlicher Intelligenz in Stockholm

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Deutsch-Schwedischer Austausch zu Künstlicher Intelligenz in Stockholm

Am 24. und 25. Juni 2019 organisierte das Smart Data Forum, ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, eine Delegationsreise nach Stockholm zum Thema „Scaling AI in Europe – Architectures and Governance of Future AI Platforms“. Eingebettet war der Austausch in die Deutsch-Schwedische Partnerschaft für Innovation, die auf der Hannover Messe im April 2019 erneuert sowie um die Themen Künstliche Intelligenz (KI) und Batterien ergänzt wurde. Hauptzweck der Reise war es, Anknüpfungspunkte für Kooperationsmöglichkeiten zu eruieren, über die Entwicklung einer Datenanalyseinfrastruktur zu diskutieren sowie das schwedische KI-Ökosystem kennenzulernen.

Sowohl die deutsche KI-Strategie als auch der schwedische National Approach on AI bekräftigen den Aufbau einer Datenanalyseinfrastruktur, indem beide die Relevanz der Bereitstellung hochwertiger Daten und der Erleichterung ihrer Nutzung unterstreichen. Eine solche Infrastruktur ist ein wesentlicher Bestandteil für die Erforschung und Implementierung von KI-Lösungen, da die Entwicklung von KI von großen Datenmengen abhängig ist. Zu diesem Schluss kam auch die Europäische Hochrangige Expertengruppe für Künstliche Intelligenz in ihrem im Juni 2019 veröffentlichten Bericht.

Derzeit befinden sich die weltweit dominierenden KI-Unternehmen in den Vereinigten Staaten und China (z.B. Google, Amazon, Microsoft, Alibaba, Tencent), die ihre KI-Lösungen und Wettbewerbsvorteile auf leistungsfähige und groß angelegte Datenanalyseinfrastrukturen aufbauen.

Die deutschen und schwedischen Experten diskutierten daher in einem ganztägigen Workshop darüber, wie eine Infrastruktur gestaltet werden könnte, die es ermöglicht, kritische industrielle und öffentliche Daten in Europa zu speichern, neue Forschungen im Bereich von KI durchzuführen und die langfristige Abhängigkeit zu verringern. Prof. Dr. Volker Markl von der TU Berlin, der dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) angehört und Direktor des nationalen Big Data Kompetenzzentrums Berlin Big Data Center (BBDC) ist, stellte seine Idee für eine solche Datenanalyseinfrastruktur vor. Im Folgenden wurden zum einen die technische Ausgestaltung von Wissenschaftlern der TU Dresden, dem zweiten nationalen Big Data Kompetenzzentrum Competence Center for Scalable Data Services and Solutions (ScaDS), des DFKI, des Royal Institute of Technology in Stockholm (KTH) sowie des Forschungsinstituts RISE SICS diskutiert. Zum anderen wurden die Finanzierungsmöglichkeiten und die politische Unterstützung sowohl von deutscher als auch von schwedischer Seite untersucht. Zum Abschluss des Workshops wurde vereinbart, an einem gemeinsamen Vorschlag für eine solche Datenanalyseinfrastruktur zu arbeiten sowie die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen den deutschen und schwedischen Forschungseinrichtungen zu stärken.

Nach dem Workshop begrüßten die Deutsche Botschaft in Stockholm sowie die Deutsch-Schwedische Handelskammer alle Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie die externen Gäste zu einem abendlichen Empfang, bei dem der fruchtbare Austausch zwischen wichtigen deutschen und schwedischen Akteuren fortgesetzt wurde.

Während die Wissenschaftler am zweiten Tag die technische Diskussion über die Datananalyseinfrastruktur fortsetzten, lernte der andere Teil der Delegation das schwedische KI-Ökosystem besser kennen. Im Epicenter in der Stockholmer Innenstadt traf die Delegation auf wichtige Akteure aus Ministerien, Startups sowie gemeinnützigen Programmen im Bereich KI.

Für die Unterstützung des schwedischen KI-Ökosystems hat die Regierung öffentliche Investitionen in die Innovationsagentur Vinnova sowie RISE SICS getätigt. Neben der Förderung der KI-Forschung ist die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Bereich KI, die durch die nationale Initiative AI Competence for Sweden ermöglicht wird, von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus sind das AI Sustainability Center, das nationale Zentrum für angewandte KI-Forschung und Innovation AI Innovation of Sweden sowie die privat finanzierte Wallenberg AI, Autonomous Systems and Software Program wichtige Initiativen.

Der letzte Workshop der Delegationsreise fand bei der Innovationsagentur Vinnova statt, die in mehr als 4000 aktive Projekte investiert. Die 205 Mitarbeiter verfügen über ein Jahresbudget von 310 Millionen Euro zur Förderung von Innovation und Kooperation. Ihre Finanzierungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Smart Cities, Mobilität und Verkehr der nächsten Generation, kreisförmige und biobasierte Wirtschaft, Biowissenschaften und vernetzte Industrie und neue Materialien. Es gab bereits zwei gemeinsame deutsch-schwedische Forschungs- und Entwicklungs-Aufrufe für kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Gesundheitswesen und Biowissenschaften sowie neue Materialien und Industrie 4.0. Eine dritte Ausschreibung wird im August 2019 beginnen.

Die Delegationsreise nach Stockholm zeigte, dass es eine große Offenheit für die Zusammenarbeit zwischen deutschen und schwedischen Akteuren gibt und dass mit den individuellen Stärken jedes Landes ein großes Potenzial für eine sich ergänzende Zusammenarbeit besteht. Es zeigte sich ein großes Interesse an einem Praktikantenaustausch, der Abstimmung von Materialien und Lehrplänen für KI-Ausbildungen sowie Zusammenarbeitsmöglichkeiten bei Masterstudiengängen. Auch der gemeinsame Vorschlag für eine europäische Datenanalyseinfrastruktur fällt auf einen fruchtbaren Boden und so sollte in naher Zukunft eine Umsetzung der Impulse ermöglicht werden.

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Workshop zu „Scaling AI in Europe“ in der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

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Prof. Markl präsentiert die Idee einer europäischen Datenanalyseinfrastuktur.

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Herr Deißenberger von der Deutschen Botschaft Stockholm und Frau Löwgren Tischer von der Deutsch-Schwedischen Handelskammer begrüßen die Gäste.

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