Bundesregierung beschließt nationale KI-Strategie

By 20. November 2018News

Die deutsche KI-Strategie strebt internationale Spitzenposition und europäische Vernetzung an

Deutschland will im globalen Wettbewerb um die Etablierung eines führenden KI-Standorts bis zum Jahr 2025 drei Milliarden Euro in die Umsetzung einer KI-Strategie investieren. Pünktlich zum Digital Summit im Dezember dieses Jahres wurde die Strategie vorbereitet, die bis zu zwölf Handlungsfelder umfasst, in denen Deutschland die Führung übernehmen soll.

Erhebliche Investitionen in die Infrastruktur

Die umfangreiche Finanzierung wird in neue Infrastrukturen fließen, die die Forschung verbessern und die Implementierung von KI-Lösungen in der Praxis unterstützen soll. Analog zum hervorragenden Ruf deutscher Hardwareprodukte soll das Gütesiegel „AI Made in Germany“ international etabliert und damit das Image des Landes als Innovationsstandort in Europa und weltweit gefestigt werden. Dafür will die Bundesregierung ein nationales Netzwerk aus 12 bereits existierenden und geplanten Forschungszentren zur Entwicklung und Anwendung von KI-Lösungen aufbauen und mit attraktiven Arbeitsbedingungen um internationale Spitzenkräfte werben.

Darüber hinaus ist ein bundesweites Forschungskonsortium geplant, das als Netzwerk von technologie-, domänen- und anwendungsorientierten Einrichtungen fungieren soll. Zu diesem Netzwerk sollen sowohl bestehende als auch angekündigte Kompetenzzentren, akademische Forschungsgruppen, Forschungsinstitute sowie Daten- und Rechenzentren gehören. In Deutschland gibt es fünf überregionale KI-Kompetenzzentren mit den Schwerpunkten Big Data, Machine Learning und IT-Sicherheit. Derzeit werden vier neue Kompetenzzentren für maschinelles Lernen errichtet – in Berlin, München, Tübingen und Dortmund. Sie sind darauf ausgelegt, die Forschung auszubauen und mehr praktische KI-basierte Anwendungen zu schaffen.

Für die Universitäten sollen einhundert neue Professuren geschaffen werden, um die Ausbildung von KI-Spezialisten der neuen Generation sicher zu stellen und die KI-Forschung zu stärken.

Auch die Entstehung weiterer Reallabore (Testfelder), ähnlich dem Testfeld Autobahn A9, wird von der Regierung unterstützt. Die Testfelder sind experimentelle Ausgestaltungen für Technologietests in einer realen Umgebung. Diese helfen Entwicklern, ihre Technologien in Umgebungen zu testen, die denen aus der realen Welt ähneln, ohne dass sie im Falle eines Fehlschlags Risiken für Menschen darstellen.

Um eine reibungslose und effiziente Entwicklung und Anwendung von KI-Lösungen zu gewährleisten, wird ein deutsches KI-Observatorium eingerichtet. Die Einrichtung soll die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt überwachen, mögliche Problemquellen und negative Auswirkungen auf die Gesellschaft ermitteln und jeglicher Diskriminierung durch KI-betriebene Systeme entgegenwirken. Die Aufgabe des Observatoriums ist demnach die Aufsicht über die ethischen Aspekte der Künstlichen Intelligenz in Deutschland.

Internationale Zusammenarbeit: eine „Europäische KI-Strategie“

Auf europäischer Ebene wird Deutschland seine Bestrebungen im Bereich KI auf ein gemeinsames Projekt mit Frankreich richten. In Kürze soll ein deutsch-französisches „virtuelles Zentrum“ entstehen. So wird durch den Austausch qualifizierter Arbeitskräfte und die Organisation gemeinsamer Veranstaltungen, Promotions-Programme und Sommerkurse die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gesteigert werden. Darüber hinaus werden bilaterale KI-Cluster mit konkreten praktischen Anwendungen für die Bereiche Gesundheit, Mobilität, Robotik und Umwelt geschaffen.

Das deutsch-französische Tandem soll sich als Kern einer allgemeinen europäischen Zusammenarbeit im Bereich Dateninfrastrukturen und Hochleistungscomputer etablieren. Die kooperativ entwickelte Infrastruktur würde dann im nächsten Schritt zu einer „europäischen KI-Strategie“ führen.

Weiterhin sind ein Europäisches Innovationscluster in Rahmen eines EUREKA-Clusters und ein Europäischer Datenraum in der deutschen KI-Strategie verankert. Die Bundesregierung wird die EU Kommission eng bei der Umsetzung und Fortschreibung der Initiative unterstützen, um auch der Europäischen Datenwirtschaft zu stärken.

Kartellrechtskonformer Datenaustausch

Weitere Schwerpunkte der KI-Strategie sind der sichere Austausch und die Verfügbarkeit von Daten zu Forschungszwecken, da das Training von KI-Algorithmen qualitativ hochwertige Daten erfordert. Dazu sieht die KI-Strategie vor, kartellrechtliche „Datenpartnerschaften“ zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu prüfen und anschließend einzurichten. Zu diesem Zweck wird die Sichtbarkeit und Förderung der bestehenden Datenplattform International Data Spaces (IDS) erhöht.

Mit der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), die sich derzeit in der Entwicklung befindet – wird ein weiteres Instrument dafür geschaffen, dass der deutsche Forschungssektor die oft dezentralisierten, projektbasierten und temporär gespeicherten Datensätze erfasst, speichert und der deutschen Wissenschaft zur Verfügung stellt. Dies soll einen Beitrag zur Standardisierung der Daten. Auf EU-Ebene gibt es bereits eine ähnliche Infrastruktur – die European Science Cloud (EOSC).

Darüber hinaus sollten Forschern und Entwicklern Open-Source-Daten über Open-Data-Plattformen zur Verfügung gestellt werden. Es wird erwartet, dass der Datenschutz durch Anonymisierung und, soweit möglich, durch Synthetisierung und Pseudonymisierung gewährleistet wird. Solche Technologien lassen sich zum Beispiel im Gesundheitssektor einsetzen, um die personenbezogenen Daten zu schützen und die informationelle Selbstbestimmung von Einzelpersonen zu gewährleisten. Dementsprechend werden im Rahmen der Medizininformatik-Initiative bundesweit mehrere Datenintegrationszentren in Universitätskliniken eröffnet, die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen und so den Datenschutz und die Datensouveränität gezielt  fördern. So können die Patienten mitbestimmen, was mit ihren Daten passiert.

Bei der Entwicklung der KI-Strategie wurden zahlreichen Experten aus der Branche miteinbezogen. Zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates des Smart Data Forum – Prof. Dr. Volker Markl (BBDC, DFKI) und Prof. Dr. Wolfgang Wahlster (DFKI) – wurden im Vorfeld der Strategieentwicklung von der Bundesregierung konsultiert.